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Technologie: Online-Durchflusszytometrie


Vor Ort-Bestimmung von Bakterien und Partikel in industriellen Prozessen

Die noch relativ neue Online-Durchflusszytometrie ermöglicht eine nahezu Echtzeit-Überwachung von Bakterien und Partikel direkt in Produktions- oder Bioprozessen.

Um diese in Laboren etablierte Messtechnik auch in industriellen Umgebungen zuverlässig einsetzen zu können, war die Entwicklung einer robusten, störunempfindlichen Detektionseinheit erforderlich.

Diese muss gegenüber typischen Prozessbedingungen wie Staub, Vibrationen, Luftfeuchtigkeit, Temperaturschwankungen sowie Luftblasen in der Probe unempfindlich sein.

Eine zentrale Herausforderung lag in der stabilen, hydrodynamischen Fokussierung von Partikeln und Bakterien in der Messzelle, die einen kontinuierlichen, vollautomatisierten 24/7-Betrieb unter industriellen Randbedingungen ermöglicht.

Wird auf eine Fokussierung in der Messzelle verzichtet, handelt es sich nicht mehr um klassische, durchflusszytometrische Detektion, sondern um eine rein optische, streulichtbasierte Partikeldetektion. Werden die Zellen zusätzlich angefärbt, ist es mit gewissen Einschränkungen auch möglich, sie über Fluoreszenzmesskanäle zu erfassen.

Der Verzicht auf die Fokussierung reduziert den technischen Aufwand erheblich und kann dadurch zu deutlich geringeren Systemkosten führen.


Ohne echte Durchflusszytometrie (d. h. ohne saubere Einzelzellfokussierung) können typischerweise folgende Effekte auftreten:
  Überlagerung von Signalen durch gleichzeitige Anwesenheit mehrerer Zellen im Messfenster (Interrogationszone)
  Geringere quantitative Genauigkeit
  Erhöhte Hintergrundsignale
  Eingeschränkte Auflösung von Subpopulationen
  Streulicht als dominierendes Messsignal
  Fluoreszenz kann optional zur zusätzlichen Selektivität eingesetzt werden, ist jedoch durch Signalüberlagerung nur eingeschränkt quantitativ auswertbar.



Hydrodynamische Fokussierung

Bei der hydrodynamischen Fokussierung wird die Mantelströmung (Hüllstrom) genutzt, um den Probenstrom in der Messzelle zu einem schmalen, zentralen Flüssigkeitsfaden zu verengen, sodass die Zellen einzeln und hintereinander den Laserstrahl passieren.


Aufgabe der hydrodynamischen Fokussierung:

  Der Hüllstrom drückt die Probe zu einem dünnen Flüssigkeitsfaden im Zentrum der Messzelle.
  Zellen werden hintereinander ausgerichtet, nicht nebeneinander
  Zellen und Partikel werden im Messbereich räumlich separiert
  Es gibt keine gleichzeitige Detektion mehrerer Zellen (keine Doubletten)
  Jede Zelle passiert den Laser an nahezu derselben Position
  Der Hüllstrom sorgt für eine laminare, homogene Strömung

  So befinden sich die Zellen präzise im Fokus des Lasers

Messzelle mit hydrodynamischer Fokussierung

Legende
  Ausgang: Gemisch von Probe und Hüllstromflüssigkeit
  Strömungsprofil in der Messzelle
  Messfenster (Interrogationszone)
  Zellen und Partikel geordnet, umgeben vom Hüllstrom (Sheath Fluid)
  Region der hydrodynamischen Fokussierung
  Messzelle
  Hüllstromflüssigkeit (Sheath Fluid)
  Probenzufuhr, Kapillare

Vorteile
Präzise Abbildung von Zellen und Partikeln
 Sehr hohe Reproduzierbarkeit der jeweiligen Messungen
 Hohe Präzision durch stabile, laminare Strömung in der Messzelle
 Verhindert Überlagerungen (Doubletten) von mehreren Zellen oder Partikeln
 Sehr verbreitete und etablierte Technologie in Labors
 Kompatibel mit klassischen Labor-Durchflusszytometern (Validierung)
Nachteile
 Industrielle, echte Durchflusszytometrie ist technisch anspruchsvoll und aufwändig
 Die Komplexität kann sich in den Kosten niederschlagen
 Die Hüllstromflüssigkeit muss, abhängig vom Messintervall, alle 4…6 Wochen ergänzt werden
 DFZ setzt präzise, volumetrische Fluidik voraus

Messzelle ohne hydrodynamische Fokussierung

Legende
  Ausgang der Probe
  Strömungsprofil in der Messzelle
  Messfenster (Interrogationszone)
  Zellen und Partikel ungeordnet
  Messzelle
  Probenzufuhr

Vorteile
Gut geeignet für die optische Partikelmessung im Streulicht- und Vorwärtsstreulichtkanal
 Kostengünstige, optische Anordnung möglich
 Geeignet zur Messung von Partikeln > 1–2 µm


Nachteile
 Verfügt über keine Fluoreszenzmesskanäle zur Detektion markierter Zellen
 Geringere Genauigkeit, da sich mehrere Partikel gleichzeitig im optischen Messbereich befinden können
 Partikel < 1 µm können nicht zuverlässig und prozesssicher erfasst werden



Messzelle ohne hydrodynamischer Fokussierung mit reduziertem Messfenster

Legende
  Ausgang der Probe
  Strömungsprofil in der Messzelle
  verkleinertes, modifiziertes Messfensters (Interrogationszone)
  Zellen und Partikel ungeordnet
  Messzelle
  Probenzufuhr

Vorteile
 Ein solcher Messaufbau lässt sich kostengünstiger realisieren, da weniger Komponenten benötigt werden.
 Es wird kein Hüllstromfluid benötigt
 Die Anforderung an die Fluidik ist deutlich geringer und kann mit einer einzigen Pumpe erfüllt werden.



Nachteile
 Trotz der Reduzierung des Messfensters (Interrogationszone) können sich weiterhin mehrere Zellen und Partikel gleichzeitig im Messbereich befinden.
 Eine direkte Vergleichbarkeit mit klassischen Labor-Durchflusszytometern ist nicht gegeben, da es sich nicht um eine standardisierte Messmethode handelt.
 Da weniger als 50 % der fluoreszenzmarkierten Probe erfasst werden, ist die Repräsentanz der Messung eingeschränkt und muss mathematisch korrigiert werden.
 Es kann nicht gewährleistet werden, dass die Zellen das Messfenster einzeln und nacheinander passieren.

Fazit

Eine durchflusszytometrische Detektion beruht in der Regel auf der hydrodynamischen oder akustischen Fokussierung des Probenstroms in der Messzelle, sodass Zellen vereinzelt und im Zentrum den Laserstrahl passieren und optisch analysiert werden können. Dadurch wird eine Einzelzell-Analyse in einem definierten, kontinuierlichen Fluss gewährleistet.

Erfolgt keine Fokussierung der Zellen und Partikel im optischen Messbereich der Durchflusszelle, passieren diese nicht sequenziell und einzeln den Laserstrahl, entspricht das System nicht der klassischen Durchflusszytometrie.

Eine Durchflusszytometrie ohne Fokussierung ist prinzipiell möglich, führt jedoch zu ungenauen, nicht reproduzierbaren Ergebnissen, da keine Einzelzellmessung gewährleistet ist. Daher sind Fokussiermethoden essenzieller Bestandteil der klassischen Durchflusszytometrie.

Der ONTRONIX Online Bacteria Analyzer (OBA) basiert ausschliesslich auf Durchflusszytometrie mit hydrodynamischer Fokussierung. Dadurch wird ein kontinuierlicher Probenstrom erzeugt, in dem Zellen vereinzelt den Messpunkt passieren und optisch individuell detektiert werden können.